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Turmsanierung Teil 3

Bei dem Abnehmen der oberen Kupferplatten und der darunter befindlichen Verbretterung gab es 2 Überraschungen.

Die Aufnahmebalken unter dem Kaiserstiel sind völlig verwittert und mußten durch aufwendige Zusatzarbeiten erneuert werden. Da die Balken alle verzapft waren mußten die aufrechten Streben des Turmdaches, die noch mit selbst  geschmiedeten Nägeln befestigt waren, mit Spanngurten zur Seite gezogen werden. Der Kaiserstiehl wurde ebenfalls mit Spanngurten und anderem Hilfswerkzeugen abgefangen. Die auch wieder aus Eichenholz bestehenden neuen Balken waren in der Zimmerei zugeschnittenen und gezapft worden. Die beiden Teile konnten dann aber nur vor Ort eingepaßt werden, da die Verzapfungen und die Höhe der Auflagefunktion nur so sichergestellt werden konnte. Dies gestaltete sich als eine schwierige Arbeit und hat den Handwerkern viel Können und Sachverstand abverlangt. Nun hat der Kaiserstiel wieder eine stabile Unterkonstruktion. Warum diese Balken so stark verwittert sind ist nicht zu erklären, da der Zustand vom Holz des Kaiserstiel selbst noch sehr gut ist. Nach Ansicht der Zimmerleute kann das nicht durch die jetzt bekannten Undichtigkeiten geschehen sein, es wird vermutet das der Turm einmal längere Zeit offen gewesen ist. Aber das weiß niemand und ist eine Vermutung von den Fachleuten.

Die verwitterten Balken

Die Balken werden mit Spanngurten zur Seite gezogen.

Der Kaiserstiel wird abgefangen.

Die Balken werden eingepaßt.

Die neue Auflage.

Eine historische Jahreszahl ist noch zum Vorschein gekommen. In dem unteren vierkantigen Balken im Kaiserstiel ist das Jahr 1584 eingelassen. Das ist das Jahr der Fertigstellung des Turm der zu dieser Zeit vermutlich völlig umgestaltet worden ist. Elfriede Palandt hat in dem Buch „Unsere Dörfer“ in dem Beitrag zur Kirche in Schlewecke festgehalten das der Turm 1584 einen neuen Helm bekommen hat.

Robert Linde schreibt in seinem Buch „die Schlewecker Kirchengebäude“ das bereits die ersten großen Glocken 1526, die dann 1726 umgegossen – und die zweite etwa 1540 gegossen wurden, hierzu passt auch das Gießdatum von 1562 der Schlagglocke. Die beiden großen Glocken wurden 1899 durch 2 Bronzeglocken ersetzt. Er beschreibt auch das der Turm zu dieser Zeit vermutlich noch wesentlich niedriger war und eine Runde Pyramidenform besaß. Die Glocken sollen alle 3 im Turm aufgehangen worden sein.

An den Sandsteinen der Nord – und Südseite außen kann man erkennen das der Turm einmal um ca. 6 Meter erhöht wurde. Ob das bereits 1584 geschah ist nicht bekannt. Die Balken und die gesamte Holzkonstruktion sind aber vermutlich aus den Jahren. Es müßte also sonst der gesamte Turm einmal später abgebaut und anschließen wieder mit dem gleichen Holz aufgebaut worden sein. Er könnte hier auch die noch heute vorhandene achteckige Pyramidenform erhalten haben.

Viele frühere Berichte über den Bau der Kirche haben bereits vermutet das der Turm noch aus dem Mittelalter stammt. Dies ist nun die Bestätigung hierfür. Eine weitere Jahreszahl ist mit 1627 und einem Namen in dem Balken eingraviert, was das zu bedeuten hat ist nicht bekannt. Auf den oberen Brettern ist von Innen im Turm mit Bleistift eine Eintragung mit folgendem Text ersichtlich: August Müller geb.10.11.1923 Schlewecke, Uhr nachgesehen am 21. März 1941. Bei der Uhr wurden früher einmal im Jahr von dem Uhrmacher Karl Linde aus Schlewecke, der bei der Fa. Weule in Bockenem beschäftigt war, alle Zahnräder und Übertragungselemente geölt und überprüft. Vermutlich hat August Müller, als tatenkräftiger 17jähriger junger Mann, ihn dabei unterstützt oder andere arbeiten dabei erledigt, da er ja Schlosser war. Er ist dann vermutlich im Turm bis unter die letzte Luke geklettert und hat sich dort von Innen auf den Brettern verewigt. Ein 2. Brettteil aus dem oberen Inneren Turm ist gefunden worden. Hier aber die Schrift kaum noch zu erkennen. Ob es sich bei den erkennbaren Zahlen um das Jahr 1610 handelt kann nur vermutet werden.

Das eingelassene Jahr 1584.

Die 2. Eingravierung von 1627.

An den unterschiedlichen Steinen kann man das Aufstocken des Turmes erkennen.

Das Brett mit der Beschriftung von August Müller.

Das 2. beschriftete Brett.

Im Turm wurde in den letzten Wochen eine neue Treppe von der Ebene der Glocken zu der nächsten Ebene von einer Tischlerei eingebaut. Hier stand vorher nur eine Leiter dies war aus Sicherheitsgründen nicht erlaubt.

Die neue Leiter im Turm.

Beim Abriß der alten Bretter oben am Turm hat sich der Hammer für die Schlagglocke in der Aufnahme verklemmt. Dadurch war der Motor für die Schlagglocke ständig unter Spannung und ist durchgebrannt. Um einen größeren Schaden zu vermeiden wurde die Stromzufuhr abgestellt. Da der Strom aber nur für den gesamten Turm abgestellt werden kann, ist auch das Läuten der beiden großen Glocken nicht möglich. Nun soll der Motor und die Übertragungen zur Schlaglocke erneuert werden.

Nun sind die Zimmerarbeiten so gut wie abgeschlossen. Es müssen nur noch Kleinigkeiten wie das Reinigen im Turm erledigt werden. Danach kommen dann die Dachdecker zum Verschiefern, hierfür ist der Auftrag auch schon erteilt.